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4th October 2011

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2011-10-01 Kommentar FR “Liebe Politpioniere!”

Ich habe heute einen Kommentar einer resignierten und radikalisierten Nichtwählerin gelesen. Das ist nichts neues, denn davon gibt es viele. Sie kritisiert, im Endeffekt, dass auch wir irgendwann wie die anderen werden.
Das ist eine wichtige Frage, denn auch wenn man sagt, dass jedem Neuanfang ein Zauber innewohnt, werden wir uns irgendwann fragen müssen, was nach dem Einzug in den politischen Alltag jedes Parlaments passieren wird. Noch viel mehr, wenn wir in die Regierungsverantwortung gehen. Man muss verstehen, dass die Wähler heutzutage nicht einmal den neuen Parteien ihre Positionen abnehmen. Aber ist das ein Grund, die Piraten zu beschimpfen?

In ihrem Kommentar schrieben Sie, Mely Kiyak, dass die Piraten “eine Ansammlung von zotteligen Typen” sei, “schwammige Figuren [mit] ungesundem Teint, hässlich.” Na gut, man darf zu der Ästhetik der 15 Piraten stehen, wie man will, aber das ist kein Grund, Unwahrheiten zu verbreiten. Wahlkampf wurde mit Fotos gemacht. Alle Plakate waren damit voll. Unvergessen ist Christopher Lauers Plakat: “Warum häng ich eigentlich hier, ihr geht ja eh nicht wählen.” Und genau da ist das Problem. Wie kamen Sie auf die Idee, es gäbe keine Bilder? Weil es passte und Sie zu faul war, umfangreicher zu recherchieren bevor Sie sich Ihre Meinung gebildet hatten. Sie lasen 10 Thesen zu einer Politik, die durchaus Sinn machen, wenn man verstehen würde, wie das Internet funktioniert.

Dass Sie Kolumnistin der Frankfurter Rundschau sind, bedeuted aber nicht, dass sie mehr Ahnung davon haben, wie es ist, “auf eigenen Beinen zu stehen,” als die Piraten, die Vollzeitbeschäftigungen haben. Aber nehmen wir Sie mal ernst. Warum sagen Sie das? Weil es auf ein Defizit hinweist, dass viele Leute in ihrer Wahrnehmung haben. Sie denken, dass die Piraten Jugendliche sind, die keine Ahnung von der Welt haben und die mal eben so ein bisschen Politik machen.

Ja, wir haben etwas von Copyright gehört. Wir haben verstanden, wie es von einigen wenigen dazu verwendet wird, Geld zu scheffeln und die Künstler auszubeuten. Eigentum bedeuted, dass mein Werk von mir verwaltet wird und nicht von einer obskuren Vermarktungsgesellschaft. Denken Sie einmal darüber nach.

Ja, das Internet hilft, Regierungen zu stürzen. Welche das Volk und die freie Meinungsäusserung unterdrücken und foltern. Wenn das nicht so wäre, würden die Leute im Internet keine Proteste organisieren, weil es niemand will. Die Freiheit des Individuums zu einer Willensentscheidung wird zwar von vielen Politikern ignoriert, ist aber die Grundlage allen unseren Handelns.

Ja, im Internet passieren Verbrechen. Aber haben sie schon einmal versucht, über das Internet einen Menschen mit einer Waffe zu bedrohen, zu verletzen oder gar umzubringen? Dafür brauchen sie eine reale Präsenz, die Sie nicht durch ein Kabel vollziehen können. Ich gebe zu: Das Internet kann durchaus als Hilfe für Straftaten verwendet werden. Kinderpornographie ist schwerwiegend, aber jegliche technische Sperre kann umgangen werden, Daten können redundant gelagert werden, um Löschungen zu umgehen. Das heißt, alles, was wir tun könnten, würde die Taten dieser Perversen (welche weniger oft passieren, als die Presse uns weißmachen möchte) nicht aufhalten. Warum also etwas fordern, was nichts bringt ausser Überwachung und Repression?

Wir haben begriffen, dass Sie Angst vor dem Internet haben, einer Kraft, die Sie weder kontrollieren noch überschminken können.
Die Schminke, die wir meinen wenn wir sagen, dass die Vorgänge im Internet real sind. Sie werden protokolliert. Vieles, was wir an sozialen Problemen haben, kann im Internet von Leuten, die im Realen nichts mitbekommen würden, nachgelesen werden. Nicht die Umgangsformen ändern sich. Es ändert sich, dass Sie es mitbekommen. Willkommen in der Realität, Frau Kiyak.

Über den Punkt des Abschlaffens des Schwungs können wir reden, sobald es soweit ist. Wir werden alles daran setzen, den Bürger in das Zentrum des politischen Geschehens zu rücken. Das ist die Programmatik der Piraten.
Ihre Vorraussagungen in allen Ehren, aber das sehen wir, wenn es soweit ist.

Bis dahin, Frau Kiyak, unterlassen Sie bitte Ihre Beleidigungen unter dem Deckmantel schlechter Journalistik, denn das können - ironischerweise - die Leute vom kostenlosen Internet besser.

Tagged: pirates pamphlets

Source: fr-online.de